Schmerz beim Pferd

Das Foto zeigt Pferde auf der Weide: entspanntes Grasen der jungen Pferde, keine Schmerzen, keine Lahmheit, nur zufriedene Pferde

Die Natur hat jedem Lebewesen, Pferd, Hund, Katze und Mensch, mit dem Warnsignal Schmerz die Möglichkeit gegeben, Gefahren für den eigenen Körper wahrzunehmen. Schmerz bedeutet Schutz für die Unversehrtheit und das Wohlbefinden.

Definitionen des Schmerzes

Ein akuter Schmerz ist zeitlich begrenzt und insgesamt relativ kurz, etwa wenige Tage andauernd (bis maximal sechs Wochen). Es ist eine direkte Reaktion auf eine konkrete schmerzhafte Situation, etwa einen Tritt, einen Biss, eine Wunde.

Der chronische Schmerz dauert über Monate oder sogar Jahre an, selbst lebenslang. Chronischer Schmerz (in Form der sogenannten Schmerzkrankheit) hat viele Ursachen und führt zu vielen schmerzenden Bereichen im Körper. Es ist nicht mehr der klar abgegrenzte Bereich im Körper um eine Wunde oder ein verstauchtes Gelenk, sondern das ganze Bein tut jetzt weh. Der Prozess "Schmerz" hat sich dabei oft verselbstständigt. Er bedeutet jetzt für ein Lebewesen meist mehr Leiden als Schutz.

Chronischer Schmerz führt zu Veränderungen im Körper. Das Hormonsystem wird neu einreguliert. Durch die Wirkung des Stress-Hormons Cortisol, das Entzündungen im Körper dämpfen soll, wirkt ein Pferd auch im Wesen "gedämpft, deprimiert". Darunter leidet auch das Immunsystem: es wird geschwächt und das Pferd so anfälliger für Krankheiten. Das Nervensystem wird verändert: die Schmerzleitung geht immer schneller, je länger das Tier unter diesen Schmerzen leidet.

Oft ist sind es ständige Verletzungen und Überlastungen durch unmerkliche Schonhaltungen, die zur deutlich erkennbaren Lahmheit führen. Das typische Beispiel sind die Sehnenschäden an den Vorderbeinen, die durch die andauernde Überlastung und Gewichtsverlagerung nach vorne entstehen: Schmerzende Hüften und Knie sind auch bei Pferden sehr häufig. Wird lediglich die entzündete Sehne vorne behandelt, ändert sich nichts an der Schmerzsituation des Hinterbeines. Die Lahmheit tritt bald wieder auf, wenn mit dem Training begonnen wird.

Wahrnehmung von Schmerz

Beim akuten Schmerz nimmt der Körper den Reiz über Schmerzrezeptoren wahr. Nervenfasern leiten diesen Nervenimpuls zum Gehirn weiter. Dort erst wird die Nervenerregung zum Gefühl: es schmerzt eigentlich erst im Gehirn. (So werden Wunden, Bisse und Tritte, aber auch der Zügelzug, Gerte und Sporen gefühlt.) Es handelt sich also bei Schmerz um eine sehr komplexes und individuell äußerst unterschiedliches Gefühl.

Chronische Schmerzen sind auch deswegen so schwer zu lokalisieren und zu behandeln, weil jeder Pferde-Patient eigene Wege gelernt hat, mit ihnen umzugehen. Schonhaltungen aber überlasten andere Bereiche, die dann ebenfalls Schmerzen verursachen. Unter Schmerzen leidet der gesamte Organismus. Es ist also wichtig, den gesamten Organismus ind die Behandlung mit einzubeziehen. Das Wesen eines Pferdes, seine Arbeitsbereitschaft und indidviduelle Empfindlichkeit sind für die erfolgreiche Behandlung ebenso bedeutsam wie Körperbau, Muskeltonus und Tastbefunde. Denn Arbeitsbereitschaft und "Härte" beeinflusst, wie lange ein Pferd bereits kleinere Schäden und Schmerzen ignoriert hat, bis es zu schmerzhaft wurde. Die ganzheitliche Behandlung verbindet das alles (und noch mehr) zu einem Bild der individuellen Schwächen, um die Ursache behandeln zu können.

Nächste Folge: Das Schmerzgesicht beim Pferd

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